Die Trächtigkeit eines Rattenweibchens (wir sprechen hier von der Farbratte
Rattus norvegicus domesticus, nicht von der Wildratte) beträgt meist 21 Tage.
In dieser Zeit werden die Weibchen meist immer unleidlicher je näher die Niederkunft rückt.
Das ist zwar sehr häufig, muß aber nicht gezwungenermaßen so sein. Einige sind und bleiben
Schmuser, andere beißen und verteidigen ihr Revier trotz aller Zahmheit(sowie später ihre Jungen) gegen alle realen und eingebildete Gefahren.
Diese mögliche Agressivität beginnt meist bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel und kann
sich bis zu 4 Wochen nach der Geburt der Kleinen ziehen.
Auf jeden Fall sollte man keine weitere Integration durchführen.Dies bedeutet nur unnötigen
Stress und eine Gefahr für die Jungtiere falls es zu Rivalitäten oder gar Beißereien kommt.
Stress sollte man generell vermeiden, besonders aber nach der Geburt da sonst die Gefahr besteht
daß die Mutter die Babys nicht mehr annimmt oder sie sogar tötet.
Ob man die Mutter in spe lieber von seinen Mitbewohnerinnentrennen sollte, ist ein
strittiges Thema;sollte es häufig Streit geben in "Rattenhausen" ist es vielleicht zu empfehlen
um zu verhindern, daß den Jungen etwas geschieht.
Böcke sollten ja sowieso nicht im selben Käfig mit Weibchen sitzen;aber sie sind noch eine
extra Gefahr für die Jungtiere.
Darüberhinaus ist ein Rattenweibchen bereits wenige Stunden nach der Niederkunft wieder
empfängnisbereit und dann geht das Spiel von vorne los.
Und um alles noch schlimmer zu machen würde das Weibchen dann bereits den nächsten Wurf haben,
während sie noch den ersten säugt.
Beläßt man die schwanger Ratte bei ihren Kolleginnen ist unbedingt zu beobachten,
wie sich die Lage nach der Geburt entwickelt.
Sollte das Weibchen seine Jungen agressivst verteidigen oder ein anderes Tier angreifen,
sollte man unbedingt die Mitbewohnerinnen ausquartieren, auf keinen Fall allerdings
die Mutter!
Sobald der Verdacht eine Schwangerschaft bestehen könnte, sollte man diverse
Vorsichtsmaßnahmen treffen.
Ganz wichtig ist ein Babysicherer Käfig, dessen Gitterabstände weniger als einen Zentimeter
betragen dürfen, damit die Jungen nicht entkommen.Außerdem sollte jede potentielle Absturzstelle
mit Hängematte gesichert werden.Rattenbabys gehen früher auf Entdeckungstour als man denkt.
Was viele auch vergessen:Die Türen von Kaufkäfigen sind leider oft so konzipiert,
daß an einer Stelle eine Art "Lasche" einen viel zu weiten Gitterabstand hat, wo sich neugierige
Babys durchaus durchwurschteln können.Hier hilft es mit Kabelbindern oder Blumendraht die Lücke
zu verbarrikadieren.
In diesen 21 Tagen Tragezeit legt das Weibchen deutlich an Körperumfang zu; meist ist von oben
eine Art "Birnenform" zu erkennen, anders als bei übergewichtigen Tieren.
Der Eiweißbedarf ist nun deutlich erhöht, ebenso ist es hilfreich Vitamine zuzufüttern.
Ein verstärkter Nestbautrieb setzt eigentlich fast immer kurz vor der Geburt ein...
Wie man an Honey sieht gibt es aber auch Ausnahmen.:)
An Nistmaterial sollte eine möglichst große Vielfalt angeboten werden:
Zeitungspapier, Küchenrolle, zerschreddertes Papier, Kokosfasern, Kapok...
Ein Häuschen oder Karton ist da eine sehr gute Wahl, da es schön umschlossen ist,
wenig Zugluft ins Nest dringen kann und das Weibchen weniger Arbeit hat ihre Babys einzusammeln.
In den letzten Tagen der Schwangerschaft senkt sich der Bauch etwas ab und die Zitzen treten
hervor.Oft ist es der erste eindeutige Hinweis auf die nahe bevorstehende Niederkunft.
Bitte jetzt den Käfig nicht mehr reinigen; dies würde einen zu großen Stress für das
Muttertier bedeuten.Sobald die Jungen 5 oder 6 Tage alt sind, kann man vorsichtig um das Nest
herum säubern.
Die Geburt der kleinen Rattenkinder findet meist in der Nacht oder den frühen Morgenstunden
statt; selten nur kann man dieses Ereignis miterleben.
Das Weibchen braucht Ruhe während des Geburtsvorgangs der mehrere Stunden dauern kann, meist
aber nach 2 Stunden abgeschlossen sein sollte.
Bei der Geburt werden pro Wehe ein Junges, manchmal auch mehrere Junge auf einmal geboren,
noch in die Fruchtblase eingehüllt warten sie darauf daß die Mutter die Hülle durchbeißt
damit sie atmen können.
Ebenso verfährt die Mutter mit der Nabelschnur, die sie meist ebenso wie die Nachgeburt, den
Mutterkuchen, sofort auffrißt.
Meistens werden Ratten mit der Geburt selber sehr gut fertig; es kann allerdings immer
vorkommen, daß ein Junges im Mutterleib quer liegt oder ähnliche Komplikationen eintreten.
Die Anzahl der Jungtiere kann extrem schwanken;nur selten werden weniger als 5 Jungtiere
geboren;meist sind es zwischen 8 und 15.
Sollte die Geburt nach mehreren Stunden noch nicht abgeschlossen sein sollte man einen Tierarzt
konsultieren.
Meist säugt die erschöpfte Mutter umgehend ihren Nachwuchs;
Es ist eine gute Idee die Jungen zu kontrollieren(nicht mit den Händen berühren!) um
festzustellen ob sich vielleicht eine Todgeburt darunter befindet.
Nicht nur weil das Weibchen beißen könnte sollte man z.b. Wattestäbchen verwenden;
Die junge Mama könnte durch den fremden Geruch verschreckt die Jungen nicht mehr annehmen.
Gut ist es, das sogenannte "Milchbäuchlein" zu kontrollieren; in den ersten Lebenstagen
schimmert die aufgenommene Muttermilch noch durch die durchscheinende Haut am Bauch der Babys.
Wenn sich alle Babys bewegen, warm und gesäugt sind braucht man sich wenig Sorgen zu machen.
Bereits nach wenigen Tagen (bevor sie die Augen öffnen, das ist ca. ab dem 14,Lebenstag)
kann und sollte man die Kleinen, wenn auch nur für Minuten heraus nehmen um sie an den
menschlichen Geruch zu gewöhnen.
Hat Mama Ratte bereits im Vorfeld eine gebrauchte Socke ins Nest geschleppt, hat man aber
schon fast gewonnen:)
Am besten setzt man die junge (eventuell bissige!!)Mutter kurz in eine Transportbox oder noch
besser, läßt sie ihren gewöhnten Freilauf machen um unbestört die Babys zu begutachten.
Wichtig ist es, sich zumindest die ersten Male die Hände mit dem Käfigeinstreu einzureiben
um die Mutter nicht zu verängstigen.
Die Jungen sind zu diesem Zeitpunkt noch nackt und blind und wahrscheinlich noch taub, können
aber bereits riechen und werden vielleicht sogar auf die warme Hand zu robben.
Es ist hilfreich ein kleine "Volkszählung" zu machen um zu wissen, was für
Vermittlungsumstände auf einen zukommen.
Da man bei den meisten Fellzeichnungen(außer z.b.Albino, silver und fawn) bereits sein kann,
daß man die spätere Zeichnung erähnen kann, kann es hilfreich sein, diese zu notieren.
Nach der ersten Begutachtung kann und sollte man die Kleinen zwischen 2 und 3 mal täglich
kurz herausnehmen, allerdings jeweils nur für wenige Minuten.
So, nun aber genug der Besichtigung und alle Babys wieder ins Nest, damit Mama Ratz wenn sie
gleich zurückkehrt alles so vorfindet, wie sie es verlassen hat.
Es ist normal wenn sie nicht sofort auf die Jungen zu stürzt sondern erstmal alles
begutachtet und kontrolliert bevor sie sich wieder dem Nest und den Jungen widmet.
Mit der vermehrt vitamin- und eiweißreichen Kost sollte man fortfahren, allerdings möglichst
auch kalzimhaltiges wie Hirse, was dem Knochenbau der gesäugten Babys zugute kommt.
Da die Babys bereits bevor sie die Augen öffnen hören können, sollte man sie an die normalen
Geräusche des Alltags gewöhnen; besonders aber an die menschliche Stimme.
Also einfach tratschen, plaudern, erzählen, vorlesen oder singen vor dem Babykäfig:)
Die Rattenbabys öffnen ihre Augen;meist erst eines, dann das zweite.
Schon vorher ist es möglich, daß sie robbend den Käfig erkundet haben, aber jetzt wird es erst
recht rund gehen!
Je besser die Babys das laufen lernen, desto weniger Plätze wird es geben, die sie nicht
erreichen können.
Einige Kleine beginnen bereits sich am Grünfutter zu versuchen.
Nun sollte es auch bald möglich sein Männlein und Weiblein auseinander zu halten; die Zitzen
der Mädels sind meist schon recht gut zu erkennen(das wird schwieriger sobald das Bauchfell
dichter wird!);die Hoden der Burschen lassen noch auf sich warten.
Die beste Möglichkeit der Geschlechtsbestimmung ist immer noch das "Löcherzählen"; Weibchen
haben 3 Löcher, Männchen nur 2.
Nun fressen die Kleinen schon fleißig mit von Körnerfutter und von Obst und Gemüse; deshalb
ist es wichtig möglichst abwechslungsreich zu füttern, damit die Kleinen auch Geschmack an
vielen Sorten Obstund Gemüse finden. Denn:Was der Bauer nicht kennt, frißt er (oft) nicht.
Langsam sollte an eine Trennung nach Geschlechtern gedacht werden; es wird allgemein empfohlen
Rattenjungtiere mir 4-5Wochen zu trennen.
Der Mittelwert von 4.5 Wochen scheint am besten zu funktionieren;mit diesem Alter sollten
die jungen Böckchen ihre Mutter verlassen.Die weibliche Nachkommenschaft sollte aber mindestens
bis zum Alter von 6 Wochen bei der Mutter bleiben.