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Mission - Missionieren

oder:

Das Geheimnis des Seelenfriedens

Vegetarier, Veganer, Gesundheitsfanatiker, Schlankheitsfanatiker, fremde Mütter, befreundete Mütter, Christen, Satanisten, Atheisten,Gläubige beinahe egal welcher Konvention, Kleidungsverkäufer, Schuhverkäufer...

Gibt es eine weltweite Verschwörung, Geheimagenten vielleicht mit der einen Mission:
Der "Mission:Missionieren"?

Egal ob es jetzt um das darmvitalisierende Joghurt, gegen dessen Konsistent und Preis sich mein Magen sowie meine Geldbörse wehren, den immer hinausgeschobenen Yogakurs oder das Heil meiner Seele geht - irgendwie scheine ich da eine gewissen Level der Gleichgültigkeit erreicht zu haben.
Die Überzeugungsarbeit )besonders junger( Mütter, daß das eigene Leben ohne ein Kind nicht komplett ist prallt seit langem an mir ab.
Ebenso die Worte etwas älteren Mütter, welche, sobald sie von unserer Entscheidung hören, daß mein Partner und ich keine Kinder bekommen wollen und werden, mich mit ihren gutmütigen Blicken mustern, und meinen, daß sich das schon noch ändern werde, treiben mich nicht mehr in dem Ausmaß auf die Palme, wie sie es früher taten.

Und warum bin ich inzwischen so gelassen?

Habe ich etwa selber still und heimlich das Geheimnis des weltumfassendes Glücks, Lebenssinns entdeckt, und bin nur so kleingeistig und verrate es niemandem?

Was ist das Geheimnis?Yakbutter, eine neue Schuhmarke, eine neue Art, meinen Körper zu verrenken, der zur absoluten Glückseeligkeit führt?Habe ich etwa den absolut einen wahren Glauben gefunden?

Nein.

Ich habe nur gelernt, Nein zu sagen.
Wovon mir schon oft geklagt wurde, daß es so schwer sein soll.

Nun, ich habe dafür das bestmögliche Training entdeckt. Man muss weder an teuren Seminaren teilnehmen, noch irgendwo ins Grüne fahren, wo man spirituell erleuchtet wird, um diese alltäglich höchst nützliche Fähigkeit zu erlernen.
Mein Trainingsparcour führt von der ersten U-Bahnstation in ihrer Nähe )und kann variiert werden( zum nächsten größeren Kreuzungspunkt mehrerer Linien. Von dort sollen sie weiter per U-Bahn zu einem Einkaufszentrum gelangen. Eine Einkaufsmeile könnte bei weiterem Übungsbedarf im späteren Verlauf des Trainings angesteuert werden.

Und was macht man dort?
Man sagt "Nein".

Zu jedem der 5 oder 6 Typen die Sie im Laufe einer einzigen Bahnhofsdurchquerung um eine Zigarette anhauen.

Zu jedem der saufenden Sandler, der meint, er habe heute noch nichts gegessen, und dann wie zum Beweis seiner existenzverhindernden Armut mit der Bierdose versucht seine penetrante Vodkafahne weg zu wedeln.

Zu jedem Jugendlichen mit glasigen, blutunterlaufenen Augen, der in blütenweißen Armanihemd, Goldkettchen und mit Edelhandy angeblich auf der Straße lebt und nicht weiß, wo er das Geld für die nächsten Mahlzeit hernehmen solle.

Ist das erstmal bewältigt, sind wir ein gutes Stück weiter!

Nun aber wieder in die U-Bahn und auf zum zweiten Teil des Parcours.
Nein, das alte Weiblein mit dem Blick der Welthungerhilfe und ihrem "Biiitte biiitte, daaanke" das sie allen gleichgültig ins Gesicht wirft während sie systematisch die gesamte U-Bahn von Waggon zu Waggon durchwandert geht genauso leer aus, wie der Filius im Schlepptau, der zwei, drei gequälte Akkorde aus der Ziehharmonika quetscht und dann jedem zwangsweise Zuhörenden fordernd die Hand unter die Nase schiebt, und nicht eher geht, bis man, wie wir eben begonnen haben zu üben, deutlich "Nein" sagt.

So, angekommen vor dem Einkaufszentrum haben wir unsere "Abschlussprüfung" zu leisten.
Vor uns steht die größte Herausforderung.

Das Betreten des Einkaufszentrums innerhalb von weniger als 5 Minuten ; Also die Überwindung von 30 Metern innerhalb dieses,zugegebenermaßen engen Zeitraums.

Das scheint eine harte Prüfung zu sein, aber unsere Ansprüche sind ja auch hoch.
Also auf auf - Zähne zusammen beißen, Kopf hoch )der Blick aus den Augenwinkeln allerdings wachsam auf eventuell ausweichbare Testsituationen gerichtet( und geht's.

Womit sie zu rechnen haben werden?
Die Testsituationen variieren täglich, jenseits unserer Kontrolle, aber das sind die wahrscheinlichsten Konstellationen:

Mindestens 1x:"Du hast doch SICHER ein paar Minuten Zeit..." im Regen ohne Schirm zu stehen.

Mindestens 2x:"Du hast doch SICHER ein Herz für Tiere/Kinder/Menschenrechte/Tierrechte/gequälte Gummienten oder..." meine Brieftasche.

Mindestens 2x:"He, du hast ein geiles Shirt/eine tolle Tasche/einen tollen Blumenstock auf dem Arm, da willst du doch sicher..." alles liegen und stehen lassen und dir von mir einen Vortrag halten lassen.

Gewöhnlich nur 1x:Halllo!Siiind sie schon Mitglied bei..." einem Buchkatalog/Cd-Abo aus dem sie nur mit einer Unzurechnungsfähigkeitsklausel aussteigen können?

Ach, sie meinen, nun, daß man bei solchen ehrenwerten Anliegen nicht einfach so vorbei gehen kann, auch wenn man es gerne würde?
Nun überlegen wir mal - mindestens 98% dieser so genannten "Keiler" die einen auf offener Straße anfallen und teilweise mehrere Minuten verfolgen tun das aus einem Grund.
Und der ist nicht Menschen/Tier/Kinder- oder sonst eine andere Freundlichkeit als die zur eigenen Brieftasche.
Gute Güte, nein ich meine nicht, daß diese Spenden entwenden oder veruntreuen würden...
Aber ein guter Teil der Spenden fließt trotzdem in ihre eigenen Taschen, als Gehalt mit Kopfgeldprämie wenn man wieder jemanden angeworben hat.
Ahnung oder Interesse an der Sache, für die sie jeden Menschen anhüpfen, der ihnen in ihre Tentakel gerät, für das, was sie da an den Mann bringen sollen, stehen da meist weit im Hintergrund oder fristen ein einsames Dasein in einem trostlosen Winkel, irgendwo in der Nähe des Gewissens.

Natürlich gibt es auch "weiße Schafe".
Nur: Wer es nötig hat, Leute, die bereits "Danke nein" gesagt haben noch weiter zu verfolgen, unter Druck zu setzen um an das "Kopfgeld" zu gelangen, gehört eindeutig nicht dazu.

Sind sie nun bereit für den letzten Parcour, die Zielgerade, die letzte Herausforderung?

Dann wünsche ich ihnen nicht nur viel Glück, sondern vor allem viel Willenskraft.

Sie werden sie brauchen...


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